Segel im Winter richtig lagern

Wer seine Segel sauber, trocken und locker gefaltet einlagert, verlängert ihre Lebensdauer um Jahre. Feuchtigkeit, Salz, scharfe Knicke und Mäuse richten im Winterlager oft mehr Schaden an als eine ganze Saison auf dem Wasser.

Das Gute: Mit ein paar Handgriffen im Herbst starten Ihre Segel im Frühjahr in Bestform. In diesem Ratgeber zeigen wir Schritt für Schritt, wie Sie Ihre Segel richtig überwintern.

1. Vor dem Abschlagen: Segel prüfen

Der beste Zeitpunkt für einen Check ist, solange das Segel noch angeschlagen ist. Setzen Sie es an einem trockenen, windarmen Tag und schauen Sie genau hin:

  • Risse, Scheuerstellen und offene Nähte, vor allem an Salingen, Relingsstützen und Lieken
  • Zustand des UV-Schutzstreifens bei Rollsegeln
  • Lattentaschen, Kauschen, Rutscher und Stagreiter
  • Liekleinen und Verstärkungen an Hals, Schothorn und Kopf

Notieren Sie sich alles, was auffällt. Der Winter ist die ideale Zeit für Reparaturen: Die Segelmacherei hat mehr Luft als im Frühjahr, und das Segel ist zum Saisonstart fertig.

2. Reinigen und trocknen

Salz zieht Feuchtigkeit an und lässt das Tuch nie richtig trocken werden. Deshalb sollte jedes Segel vor dem Einlagern gründlich mit Süßwasser gespült werden.

So geht’s richtig:

  • Segel auf einer sauberen Rasenfläche oder Plane ausbreiten und mit dem Gartenschlauch abspülen
  • Hartnäckige Flecken mit lauwarmem Wasser, milder Seife und einer weichen Bürste behandeln
  • Gut nachspülen, damit keine Seifenreste im Tuch bleiben
  • Vollständig trocknen lassen, am besten im Schatten oder in einer luftigen Halle

Bitte nicht:

  • Hochdruckreiniger: Er zerstört die Beschichtung und Nähte
  • Waschmaschine oder Trockner: Das Tuch verliert seine Steifigkeit
  • Bleichmittel oder aggressive Lösungsmittel
  • Stundenlang in praller Sonne trocknen: UV-Strahlung schadet dem Tuch
  • Im Wind killen lassen: Das Schlagen bricht die Fasern

Das Wichtigste: Ein Segel darf nie feucht eingelagert werden. Schon wenig Restfeuchte reicht für Stockflecken und Schimmel.

3. Richtig falten oder rollen

Jeder scharfe Knick schwächt das Tuch. Wie Sie ein Segel am besten verstauen, hängt vom Material ab.

SegeltypSo lagern Sie es
Dacron-Großsegel und -VorsegelParallel zum Unterliek in breiten Bahnen falten („Flaken“), dann locker zusammenlegen. Knicke bei jedem Einlagern an eine andere Stelle legen
Laminatsegel (Mylar, Carbon, Aramid)Möglichst nicht falten, sondern locker vom Kopf her aufrollen. Im Zweifel als Rolle lagern
Segel mit durchgehenden LattenLatten herausnehmen oder Segel entlang der Latten flaken
Spinnaker und GennakerLocker in den Sack stopfen, nicht falten. Das leichte Tuch verträgt das gut

Am einfachsten geht das Falten zu zweit: Je eine Person am Vor- und Achterliek, und das Segel wird Bahn für Bahn aufeinandergelegt. Den Segelsack nicht prall vollstopfen. Lieber einen größeren Sack nehmen.

4. Der richtige Lagerort

Das ideale Winterquartier für Segel ist trocken, dunkel, gut belüftet und frostfrei. Ein beheizter Keller, ein trockener Dachboden oder ein Lagerraum der Segelmacherei eignen sich gut.

  • Trocken: Keine feuchten Garagen, Bootshallen mit Kondenswasser oder Lagerung an Bord
  • Belüftet: Luft muss zirkulieren können, damit sich keine Feuchtigkeit staut. Segelsäcke nicht in Plastikfolie einwickeln
  • Dunkel: Kein direktes Sonnenlicht, auch nicht durchs Fenster
  • Mäusesicher: Mäuse lieben Segeltuch als Nistmaterial. Segel nicht auf dem Boden lagern, sondern im Regal oder an der Decke aufgehängt
  • Ohne Gewicht obendrauf: Keine schweren Gegenstände auf den Segelsäcken stapeln, sonst entstehen harte Knicke

Eine Rollgenua sollte über den Winter nicht am Vorstag bleiben. Wind, Feuchtigkeit und UV setzen ihr auch im eingerollten Zustand zu, und ein Winterorkan kann sie aufreißen.

5. Typische Fehler bei der Winterlagerung

Diese fünf Fehler sehen wir in der Segelmacherei jedes Frühjahr:

  1. Segel feucht eingelagert: Stockflecken und Schimmel lassen sich kaum noch entfernen.
  2. Salz nicht ausgespült: Das Tuch bleibt klamm und die Nähte leiden.
  3. Immer an derselben Stelle gefaltet: Es bilden sich dauerhafte Knicke, bei Laminat sogar Brüche.
  4. Segel an Bord gelassen: Kondenswasser und fehlende Lüftung sind ein Paradies für Schimmel.
  5. Schäden bis zum Frühjahr ignoriert: Dann wird es knapp mit der Reparatur vor dem Saisonstart.

Checkliste: Segel winterfest machen

  • Segel unter Segeln auf Schäden geprüft
  • Schäden notiert und Reparatur beauftragt
  • Mit Süßwasser gespült, ohne Hochdruck
  • Vollständig getrocknet
  • Latten entnommen oder entlang der Latten geflakt
  • Locker gefaltet oder gerollt, Knicke an neuer Stelle
  • In einem ausreichend großen, atmungsaktiven Sack verstaut
  • Trocken, dunkel, belüftet und mäusesicher gelagert
  • Rollgenua vom Vorstag genommen

Fazit: Sauber, trocken, locker

Wer seine Segel im Herbst spült, vollständig trocknet, locker faltet und an einem trockenen, belüfteten Ort lagert, hat im Frühjahr keine bösen Überraschungen. Kleine Schäden sollten Sie gleich im Winter beheben lassen, dann ist zum Saisonstart alles bereit.

Ihr Segel braucht eine Reparatur oder einen Check vor dem Winterlager? Bringen Sie es zu uns in die Segelmacherei SEGELFORM in Rostock.

Im Winter haben wir mehr Zeit für Ihr Segel als im Frühjahrstrubel.